
Kaum war das letzte Karnevalslied verklungen, rückten am Aschermittwoch die Packer einer Fachspedition an, um Gemälde sowie die acht großen Gobelins, die die Repräsentationsräume des Alten Rathauses schmücken, zu verstauen. Die Aktion bildet den Anfang der umfangreichen Sanierung von Bonns "guter Stube", für die bis Jahresende rund 4,4 Mio Euro aus dem Konjunkturpaket II investiert werden.
Bis zu sechs mal drei Meter sind die Wandteppiche groß. Gewebt wurden sie um 1750 im französischen Aubusson. Eine Textilrestauratorin hat die Gobelins in den letzten Wochen sorgfältig auf ihren Zustand untersucht und überwachte das Einpacken der kostbaren Teppiche, die auf großen Rollen in den Lagerräumen der Spedition ausharren werden.
Im Innenhof des Alten Rathauses begann derweil der Aufbau des Gerüstes, das für die Sanierung von Fassade, Dach und Fenstern nötig ist. Ende des Jahres soll - wenn nichts dazwischen kommt - Bonns "gute Stube" in neuem Glanz erstrahlen.
Über zwei Monate haben Mitarbeiter des Personal- und Organisationsamtes und des Stadtmuseums den Auszug der Kunstwerke aus dem Alten Rathaus vorbereitet. In rund zehn Tagen werden nur noch die nackten Wände jener Räume zu sehen sein, durch die schon Charles de Gaulle, Königin Elizabeth von England, das japanische Kaiserpaar, Michael Gorbatschow und Nelson Mandela gegangen sind.
Das Alte Rathaus ist seit über 700 Jahren Sitz der bürgerlichen Selbstverwaltung. Den Grundstein zum Bau in seiner heutigen Form legte Kurfürst Clemens August am 24. April 1737, die Pläne entwarf der kurfürstliche Hofarchitekt Michel Leveilly. Am 18. Oktober 1944 brannten nach einem Lufangriff fast alle Häuser am Markt ab. Auch vom Alten Rathaus blieben nur die Grundmauern stehen. Schon 1949 begann der Wiederaufbau. Die rosa Rokoko-Fassade des Bonner Rathauses war in den folgenden Jahrzehnte häufig Hintergrund, wenn Staatsgäste aus aller Welt über die berühmte Freitreppe zum Portal hinaufstiegen.
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